Bleiben wir noch einen Moment bei den Kosten. Was, wenn ein Produzent oder Importeur einen registrierungspflichtigen Stoff aus Kostengründen nicht registriert? Vielleicht verdient er mit dem Stoff ja nur einen Bruchteil dessen, was die Registrierung kosten würde. In einem solchen Fall lohnt sich die Registrierung natürlich nicht. Der betreffende Rohstoff verschwindet vom Markt. Für den nachgeschalteten Anwender des Stoffes, z.B. den Formulierer eines Kühlschmierstoffes, ist das natürlich ein Problem. Wenn Rohstoffe nicht mehr erhältlich sind, müssen bestehende Produkte umformuliert werden. Im günstigsten Fall gibt es eine Alternative, die sowohl aus technischen Gründen wie auch ökonomischen Aspekten herangezogen werden kann. Im ungünstigsten Fall gibt es eine solche Alternative nicht. Dann kann auch der nachgeschaltete Anwender nicht mehr produzieren. Vielleicht sogar der nachgeschaltete Anwender der nach ihm in der Wertschöpfungskette kommt und immer so weiter, bis hin zum Endkunden.
Die Realität wird größtenteils zwischen den erwähnten Extremfällen liegen. Sehr häufig gibt es technisch sinnvolle Alternativstoffe, die aber teurer sind, als der ursprünglich eingesetzte Stoff. Weil Schmierstoff-Formulierungen immer einen Balance-Akt zwischen technischer Notwendigkeit und ökonomischer Machbarkeit darstellen, müssen die Formulierer sehr genau hinschauen, welchen Alternativstoff sie einsetzen können und welcher aus Kostengründen nicht verwendet werden kann.
Bisher beteuern alle Lieferanten, deren nachgeschaltete Anwender wir sind, dass sie nicht vorhaben, aufgrund von REACH die Produktion von Stoffen einzustellen. Was sollen sie zu diesem Zeitpunkt auch anderes sagen? Die Vorregistrierung der Stoffe war gebührenfrei und Kosten für Untersuchungen standen noch nicht an. Die tatsächliche ökonomische Situation, die ein Produzent bei der Registrierung eines Stoffes vorfindet, kann sich erst zeigen, wenn die Registrierungsforen, die SIEFs, ihre Arbeit aufgenommen haben. Erst dann wird sich zeigen, welche Daten vorhanden sind und welche Studien noch durchgeführt werden müssen. Erst dann wird sich zeigen, was die Registrierung eines bestimmten Stoffes tatsächlich kostet. Und erst dann wird man abschätzen können, ob sich die Registrierung aus ökonomischer Sicht lohnt. Die SIEFs werden sich Anfang 2009 zusammenfinden. Wahrscheinlich können erst Jahre später definierte Aussagen bezüglich des Wegfalls von Rohstoffen getroffen werden.
Rohstoffe können aber auch aus einem anderen Grund vom Markt verschwinden. Sie können der Autorisierung unterliegen und ihre Verwendung kann entweder ganz verboten oder an hohe Auflagen gebunden werden. Zum Glück unterliegen nur besonders Besorgnis erregende Stoffe der Autorisierung. Solche Stoffe werden normalerweise nicht in der Schmierstoffindustrie verwendet. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Schmierstoffe umformuliert werden müssen, weil die Rohstoffe aufgrund der Autorisierung nicht mehr zur Verfügung stehen, eher gering.
Auf jeden Fall verlangt die Möglichkeit, dass Rohstoffe in Zukunft nicht mehr verfügbar sind, eine sehr enge Kommunikation mit allen Beteiligten der Wertschöpfungskette. Wir diskutieren daher schon seit längerem mit unseren strategischen Lieferanten und lassen uns über ihre Ansichten zu dieser Thematik informieren. So stellen wir sicher, dass wir alle Entwicklungen der Rohstoffverfügbarkeit unverzüglich mitbekommen.